

S A V
Saarländischer
Apothekerverein e.V.


Aktuelles


An alle 12.
Dez. 2011
saarländischen
Landtags- und Bundestagsabgeordneten
Sehr geehrte Damen und Herren,
die SPD hat bei ihrem Bundesparteitag in Berlin am 6. Dezember einen Leitantrag zur Gesundheitspolitik des Parteivorstandes verabschiedet. Darin heißt es u.a.:
„Den Arzneimittelvertrieb werden wir liberalisieren, um Preisvorteile von größeren Vertriebsstrukturen zu erreichen. Die Einsparungen kommen vor allem den Versicherten zu Gute und werden nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt, wie es sich Schwarz-Gelb zum Prinzip gemacht hat.“
Vorgenannter Leitantrag steht diametral entgegengesetzt zu dem eigentlichen Ziel der SPD, nämlich den deutschen Mittelstand zu fördern, wozu auch die inhabergeführte Apotheke gehört. Peer Steinbrück sagte insoweit in seiner Rede vom 06. Dezember 2012:
„Es gibt einen sehr stark stabilisierenden Mittelstand von kleinen, mittleren, von Familienunternehmen. Es gibt auch disponierende Eliten in den Unternehmen, die einer Verantwortungsethik folgen. All diese Gruppen wird die SPD berücksichtigen und ansprechen müssen, wenn Sie den Charakter als Volkspartei behalten will.“
Bis dato gab es seitens der SPD ein klares Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke und damit zu einer flächendeckenden Versorgung der Versichertengemeinschaft durch diese. Aus diesem Grunde sind wir über den aktuell beschlossenen Leitantrag mehr als verwundert.
Hinzu kommt, dass die Gesundheitsexpertin der SPD-Fraktion, Frau Marlies Volkmer, jetzt betont, es handele sich bei dem Leitantrag weder um die Position der Fraktion noch der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG).
Des Weitern hatte bereits vor einem Jahr Frau Dr. Carola Reimann in einem Interview formuliert: Apothekenketten seien nicht Konsens in der Fraktion, sondern eine Einzelmeinung von Prof. Dr. Karl Lauterbach.
Dennoch steht die Absichtserklärung nun in Ihrem Leitantrag.
Für uns als Standesvertretung der Apothekerschaft stellt sich jetzt die Frage: Wie konnte es aufgrund einer „Einzelmeinung“ zu diesem Beschluss kommen? Diese Frage müssen wir auch unseren Mitgliedern und deren Angestellten beantworten!
Soweit in Ihrem Leitantrag zu lesen ist:
„Erzielte Einsparungen sollen vor allem den Versicherten zu Gute kommen und nicht zwischen den verschiedenen Leistungser-bringern umverteilt werden…“
ist in Bezug auf die Apothekerschaft sehr klar, dass eine solche Umverteilung zu unseren Gunsten schon seit vielen Jahren nicht mehr stattgefunden hat. Die Apotheken erzielen durch die Umsetzung der Rabattverträge und durch angehobene Zwangsrabatte Milliarden an Einsparungen für das Gesundheitssystem! Dem gegenüber wurde die Vergütung für diese Leistungen seit 2004 nicht mehr angepasst! Ganz im Gegenteil: Apotheker wurden gerade mit dem AMNOG nochmals so deutlich zur Kasse gebeten, dass der Rohertrag für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert werden muss. Es geht für viele kleine Versorgerapotheken auf dem Lande ums nackte Überleben! Apotheken, die für die flächendeckende Versorgung nicht wegzudenken sind.
Dass demgegenüber die von Ihnen nunmehr gewollte Liberalisierung des Apothekenmarktes zu keinen Einsparungen für das Gesundheitswesen führen wird, steht für Marktbeobachter außer Frage.
Glauben Sie, dass in größeren Strukturen bei sinkenden(?) Preisen die Versorgungsqualität steigt?
Glauben Sie, dass Großkonzerne, die zusätzlich ihre Anteilseigner mit Erträgen bedienen müssen, etwaige wirtschaftliche Vorteile an die GKV oder den Verbraucher weitergeben werden?
Glauben Sie, dass eine wie auch immer geartete Apotheken-Kette Interesse an der Erledigung von Allgemeinwohlinteressen hat? Denn: Das Überleben vieler Landapotheken geht auf sehr viel persönlichen Einsatz alteingesessener Apothekerinnen und Apotheker zurück, die oft bis hin zur Selbstausbeutung für Ihr Patientinnen und Patienten da sind!
Auch die Liberalisierung des Apothekenmarktes in Norwegen hat gezeigt, dass Preise nach einer solchen Liberalisierung nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben.
Unsere Meinung steht: gerade die kleinteilige Versorgung durch die niedergelassenen Apotheken ist seit Jahren an Kosteneffizienz nicht zu toppen. Gerade mal 2,5% der GKV-Gesamtausgaben kostet der umfassende Service der niedergelassenen Apotheke – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Wer hier die Strukturen angreift, der setzt mutwillig ein funktionierendes System aufs Spiel.
Gerade das Saarland ist in der Fläche auf diese Versorgerapotheken angewiesen. Wenn Sie als SPD nunmehr an Ihrem Liberalisierungswillen festhalten, werden Sie dem noch leistungsfähigen System den Todesstoß versetzen. Viel sinnvoller wäre es, das bestehende System so auszustatten, dass die finanzielle Planungssicherheit für die mittelständische Apotheke gegeben ist und dass Bürokratiemoster gezähmt werden. Hier sind u. a. Lieferschwierigkeiten bei Rabattverträgen oder unverhältnismäßige Retaxationen durch Krankenkassen zu nennen. Hierfür Änderungen zu sorgen würde der Versorgung in der Fläche wirklich zu Gute kommen.
Gerne erläutern wir Ihnen unsere Positionen auch persönlich und würden uns über Ihre Antwort und Ihre Position in der Frage der Liberalisierung freuen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. gez.
Manfred Saar Claudia Berger
(Präsident) (Vorsitzende)
An alle
saarländischen
Landtags- und Bundestagsabgeordneten
Sehr geehrte Damen und Herren,
die SPD hat bei ihrem Bundesparteitag in Berlin am 6. Dezember einen Leitantrag zur Gesundheitspolitik des Parteivorstandes verabschiedet. Darin heißt es u.a.:
„Den Arzneimittelvertrieb werden wir liberalisieren, um Preisvorteile von größeren Ver-triebsstrukturen zu erreichen. Die Einsparungen kommen vor allem den Versicherten zu Gute und werden nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt, wie es sich Schwarz-Gelb zum Prinzip gemacht hat.“
Vorgenannter Leitantrag steht diametral entgegengesetzt zu dem eigentlichen Ziel der SPD, nämlich den deutschen Mittelstand zu fördern, wozu auch die inhabergeführte Apotheke gehört. Peer Steinbrück sagte insoweit in seiner Rede vom 06. Dezember 2012:
„Es gibt einen sehr stark stabilisierenden Mittelstand von kleinen, mittleren, von Fami-lienunternehmen. Es gibt auch disponierende Eliten in den Unternehmen, die einer Verantwortungsethik folgen. All diese Gruppen wird die SPD berücksichtigen und an-sprechen müssen, wenn Sie den Charakter als Volkspartei behalten will.“
Bis dato gab es seitens der SPD ein klares Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke und damit zu einer flächendeckenden Versorgung der Versichertengemeinschaft durch diese. Aus diesem Grunde sind wir über den aktuell beschlossenen Leitantrag mehr als verwundert.
Hinzu kommt, dass die Gesundheitsexpertin der SPD-Fraktion, Frau Marlies Volkmer, jetzt be-tont, es handele sich bei dem Leitantrag weder um die Position der Fraktion noch der Arbeits-gemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG).
Des Weitern hatte bereits vor einem Jahr Frau Dr. Carola Reimann in einem Interview formuliert: Apothekenketten seien nicht Konsens in der Fraktion, sondern eine Einzelmeinung von Prof. Dr. Karl Lauterbach.
Dennoch steht die Absichtserklärung nun in Ihrem Leitantrag.
Für uns als Standesvertretung der Apothekerschaft stellt sich jetzt die Frage: Wie konnte es aufgrund einer „Einzelmeinung“ zu diesem Beschluss kommen? Diese Frage müssen wir auch unseren Mitgliedern und deren Angestellten beantworten!
Soweit in Ihrem Leitantrag zu lesen ist:
„Erzielte Einsparungen sollen vor allem den Versicherten zu Gute kommen und nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt werden…“
ist in Bezug auf die Apothekerschaft sehr klar, dass eine solche Umverteilung zu unseren Gunsten schon seit vielen Jahren nicht mehr stattgefunden hat. Die Apotheken erzielen durch die Umsetzung der Rabattverträge und durch angehobene Zwangsrabatte Milliarden an Einsparungen für das Gesundheitssystem! Dem gegenüber wurde die Vergütung für diese Leistungen seit 2004 nicht mehr angepasst! Ganz im Gegenteil: Apotheker wurden gerade mit dem AMNOG nochmals so deutlich zur Kasse gebeten, dass der Rohertrag für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert werden muss. Es geht für viele kleine Versorgerapotheken auf dem Lande ums nackte Überleben! Apotheken, die für die flächendeckende Versorgung nicht wegzudenken sind.
Dass demgegenüber die von Ihnen nunmehr gewollte Liberalisierung des Apothekenmarktes zu keinen Einsparungen für das Gesundheitswesen führen wird, steht für Marktbeobachter außer Frage.
Glauben Sie, dass in größeren Strukturen bei sinkenden(?) Preisen die Versorgungsqualität steigt?
Glauben Sie, dass Großkonzerne, die zusätzlich ihre Anteilseigner mit Erträgen bedienen müssen, etwaige wirtschaftliche Vorteile an die GKV oder den Verbraucher weitergeben werden?
Glauben Sie, dass eine wie auch immer geartete Apotheken-Kette Interesse an der Erledigung von Allgemeinwohlinteressen hat? Denn: Das Überleben vieler Landapotheken geht auf sehr viel persönlichen Einsatz alteingesessener Apothekerinnen und Apotheker zurück, die oft bis hin zur Selbstausbeutung für Ihr Patientinnen und Patienten da sind!
Auch die Liberalisierung des Apothekenmarktes in Norwegen hat gezeigt, dass Preise nach einer solchen Liberalisierung nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben.
Unsere Meinung steht: gerade die kleinteilige Versorgung durch die niedergelassenen Apotheken ist seit Jahren an Kosteneffizienz nicht zu toppen. Gerade mal 2,5% der GKV-Gesamtausgaben kostet der umfassende Service der niedergelassenen Apotheke – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Wer hier die Strukturen angreift, der setzt mutwillig ein funktionierendes System aufs Spiel.
Gerade das Saarland ist in der Fläche auf diese Versorgerapotheken angewiesen. Wenn Sie als SPD nunmehr an Ihrem Liberalisierungswillen festhalten, werden Sie dem noch leistungsfähigen System den Todesstoß versetzen. Viel sinnvoller wäre es, das bestehende System so auszustatten, dass die finanzielle Planungssicherheit für die mittelständische Apotheke gegeben ist und dass Bürokratiemoster gezähmt werden. Hier sind u. a. Lieferschwierigkeiten bei Rabattverträgen oder unverhältnismäßige Retaxationen durch Krankenkassen zu nennen. Hierfür Änderungen zu sorgen würde der Versorgung in der Fläche wirklich zu Gute kommen.
Gerne erläutern wir Ihnen unsere Positionen auch persönlich und würden uns über Ihre Antwort und Ihre Position in der Frage der Liberalisierung freuen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. gez.
Manfred Saar Claudia Berger
(Präsident) (Vorsitzende)